KI-generiertes Bild. Es veranschaulicht auf humorvolle Weise die Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Realität vor Ort und der vermeintlich einfachen Botschaft, die vermittelt werden soll, um von unserem Nutzen als NGO im Gesundheitsbereich zu überzeugen.

Am 11. Juni 2026 fand unter der Leitung von Medicus Mundi Schweiz eine Podiumsdiskussion statt, die sich mit folgender Frage auseinandersetzte: Braucht es ein neues Narrativ für die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich?

Doch warum stellt sich diese Frage überhaupt? Mehrere Gründe scheinen dies zu erklären: die Interesse an den Werten globaler Solidarität und vor allem die massiven Kürzungen der schweizerischen und internationalen Finanzierung für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit. Diese Situation veranlasst die Akteur:innen des Sektors, ihre Arbeit und ihre Ansätze kritisch zu hinterfragen.

Grundsätzlich ist dies nichts Schlechtes. Gleichzeitig stehen wir heute vor einem Spannungsfeld;  einem Umfeld, das von Diskursen über vermeintlich einfache und wundersame Lösungen geprägt ist, wie können wir von unserem Nutzen überzeugen, ohne tausend und ein Ergebnis zu versprechen?  Wie können wir erklären und dazu stehen, dass nicht alles perfekt funktioniert? Genau damit müssen wir rechnen, denn wir arbeiten in komplexen Kontexten, deren Rahmenbedingungen und Entwicklungen wir weder vollständig kontrollieren noch vorhersehen können. Die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich besteht seit vielen Jahren. Auch wenn noch viel zu tun bleibt, sind aus all diesen Bemühungen konkrete Ergebnisse hervorgegangen. Vielleicht ist es deshalb sinnvoller, erneut zu bekräftigen, wer wir sind, und hervorzuheben, was wir seit Jahren konkret tun, anstatt auf Versprechen zu setzen, um von unserem Nutzen zu überzeugen.

Doch wie lässt sich zeigen, dass die Arbeit von NGOs der internationalen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich nach wie vor relevant ist?

Gesundheit ist grundsätzlich etwas Individuelles. Darin unterscheidet sie sich von anderen grossen Themen der Entwicklungszusammenarbeit wie Bildung, Infrastruktur, Umwelt oder Frieden, die auf den ersten Blick eine stärker kollektive Dimension haben. Im Laufe unserer Diskussion zeichnete sich jedoch eine klare Erkenntnis ab: Gesundheit ist eine Voraussetzung für all diese Bereiche, denn sie bestimmt massgeblich die Fähigkeit der Menschen zu lernen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Starke Gesundheitssysteme tragen somit zur Wahrung der Menschenwürde bei und stärken gleichzeitig die Fähigkeit von Gesellschaften, eigene Antworten auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu entwickeln. Gesundheit ist daher nicht nur ein Ziel an sich, sondern auch ein wichtiger Hebel für Entwicklung.

Die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt individueller Wohltätigkeit darzustellen, greift zu kurz. Sie als eine Säule der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu betrachten, die mit allen Bereichen einer Gesellschaft miteinander verknüpft ist, macht ihre grundlegende Bedeutung sichtbar.

Letztlich gilt, wie es auch in unserer Bundesverfassung heisst: „Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.“